Kreditkartenverbot für Glücksspiel: Internationale Verbote im Überblick

Ladevorgang...
Großbritannien hat es 2020 getan. Australien folgte 2024. In beiden Ländern ist es verboten, mit Kreditkarten bei Online-Glücksspielanbietern einzuzahlen. Die Frage, die deutsche Spieler beschäftigt: Kommt das auch hier? In neun Jahren Marktbeobachtung habe ich die internationale Entwicklung genau verfolgt – und die Antwort ist komplexer, als ein einfaches Ja oder Nein.
Länder mit Kreditkartenverbot
Das britische Kreditkartenverbot für Gambling trat im April 2020 in Kraft und war eine direkte Reaktion auf Studien, die zeigten, dass Spieler mit Kreditkarten häufiger in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Der Grund ist logisch: Wer mit Kreditkarte wettet, wettet mit geliehenem Geld – und Verluste werden durch Zinsen noch verstärkt.
Australien ging 2024 einen Schritt weiter und verbot nicht nur Kreditkarten, sondern erweiterte das Verbot auf digitale Wallets, die mit Kreditkarten verknüpft sind. Damit schloss Australien eine Lücke, die in Großbritannien noch existiert: In UK kann man theoretisch über Apple Pay mit hinterlegter Kreditkarte einzahlen, obwohl die direkte Kreditkarteneinzahlung verboten ist.
In den USA liegt die Regulierung auf Bundesstaatsebene. Dort sind die Genehmigungsraten für Gambling-Kartentransaktionen bei großen Banken auf über 90 Prozent gestiegen – ein Trend in die entgegengesetzte Richtung. Die USA liberalisieren den Zugang, während Großbritannien und Australien ihn einschränken. Das zeigt, wie unterschiedlich die Regulierungsansätze weltweit sind.
Weitere Länder mit Einschränkungen: Belgien hat ein teilweises Verbot für Online-Gambling mit Kreditkarten. Spanien diskutiert ähnliche Maßnahmen. In den nordischen Ländern gibt es staatliche Monopole, die die Frage der Kreditkartenzahlung anders regeln.
Warum Deutschland kein Verbot hat
Der deutsche Ansatz unterscheidet sich fundamental von dem britischen und australischen. Statt eines Kreditkartenverbots setzt Deutschland auf das Einzahlungslimit von 1.000 Euro monatlich nach dem Glücksspielstaatsvertrag. Die Logik dahinter: Nicht die Zahlungsmethode ist das Problem, sondern die Höhe der Einzahlung. Ob jemand 1.000 Euro per Kreditkarte oder per Banküberweisung einzahlt – das Risiko ist identisch, solange das Limit eingehalten wird.
Ein weiterer Grund: In Deutschland sind Kreditkarten weniger verbreitet als in Großbritannien. Nur etwa 17 Prozent aller Zahlungskarten in Deutschland sind Kreditkarten – ein Rückgang von 24 Prozent im Jahr 2018. Die Girocard dominiert den Markt, und Debitkarten von Visa und Mastercard gewinnen Marktanteile. Ein Kreditkartenverbot hätte in Deutschland einen geringeren Effekt als in UK, wo Kreditkarten im Alltag viel stärker verankert sind.
Zudem setzt der GlüStV auf eine Kombination von Maßnahmen – Einzahlungslimit, LUGAS, OASIS, Identitätsverifizierung -, die zusammen einen effektiveren Spielerschutz bieten als ein einzelnes Verbot einer Zahlungsmethode. Ein Kreditkartenverbot allein würde Spieler auf andere Zahlungswege umleiten, ohne das Grundproblem zu lösen.
Kommt ein Verbot in Deutschland?
Stand 2026 gibt es keine konkreten Gesetzesinitiativen für ein Kreditkartenverbot bei Glücksspiel in Deutschland. Der 2. GlüÄndStV, der voraussichtlich im Mai 2026 in Kraft tritt, enthält nach aktuellem Kenntnisstand keine solche Regelung. Die Diskussion existiert aber, und sie wird von der Entwicklung in anderen Ländern befeuert.
Argumente für ein Verbot: Kreditkarten ermöglichen das Spielen mit geliehenem Geld, was das Suchtrisiko erhöht. 430.000 Menschen in Deutschland leiden unter problematischem Spielverhalten – ein Teil davon finanziert sein Spielen über Kreditkarten.
Argumente dagegen: Das Einzahlungslimit begrenzt das Risiko bereits effektiv. Ein Verbot würde Spieler auf den Schwarzmarkt treiben, wo es keine Limits gibt. Und Debitkarten – die das gleiche Risiko des unmittelbaren Geldabflusses tragen, aber ohne Kreditkomponente – wären vom Verbot nicht betroffen, was die Wirkung begrenzt.
Meine Einschätzung: Ein vollständiges Kreditkartenverbot für Glücksspiel ist in Deutschland auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist eine Verschärfung der bestehenden Maßnahmen – etwa ein niedrigeres Einzahlungslimit speziell für Kreditkarten oder eine Pflicht für Banken, den MCC 7995 standardmäßig zu sperren. Die Details zum bestehenden regulatorischen Rahmen finden sich im Glücksspielstaatsvertrag und Kreditkarten.
Was Kreditkartennutzer jetzt tun sollten
Unabhängig davon, ob ein Verbot kommt oder nicht: Wer mit Kreditkarte bei Sportwetten einzahlt, sollte sich bewusst sein, dass er mit einem Finanzinstrument spielt, das Zinsen verursacht. Eine Debit Mastercard bietet die gleiche Funktionalität ohne Kreditrisiko. Und wer sein Spielverhalten im Griff behalten will, nutzt die vorhandenen Werkzeuge – Einzahlungslimit, Kreditkartensperre bei der Bank, OASIS-Selbstsperre -, statt auf ein gesetzliches Verbot zu warten.
Auswirkungen auf den deutschen Markt
Was bedeuten die internationalen Verbote für deutsche Spieler konkret? Kurzfristig: nichts. Mastercard ist bei allen GGL-lizenzierten Anbietern nutzbar, und ein Verbot steht nicht bevor. Mittelfristig: Die Diskussion wird kommen, besonders wenn die Evaluierung des GlüStV zeigt, dass Kreditkartenspieler überproportional von Spielproblemen betroffen sind.
Was deutsche Spieler jetzt tun können, um sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten: Eine Debit Mastercard als Standard-Zahlungsmethode einrichten. Sollte ein Verbot kommen, würde es wahrscheinlich nur echte Kreditkarten betreffen, nicht Debitkarten – so wie in Australien, wo das Verbot primär auf Kreditprodukte abzielt. Eine Debit Mastercard bietet die gleiche Funktionalität ohne Kreditkomponente und wäre von einem solchen Verbot wahrscheinlich nicht betroffen.
Ein letzter Punkt: Unabhängig davon, ob ein Verbot kommt oder nicht, sollte kein Spieler seine Wetteinsätze über Kredit finanzieren. Wer nur mit Geld wettet, das auf dem Girokonto verfügbar ist, macht sich von der Regulierungsdebatte unabhängig – und wettet verantwortungsvoller.
Die internationale Entwicklung zeigt: Regulierer weltweit nehmen die Verbindung zwischen Kreditkarten und Spielsucht ernst. Deutschland hat einen eigenen Weg gewählt, der auf Limits statt Verbote setzt. Ob dieser Weg langfristig Bestand hat, hängt davon ab, ob er das Spielverhalten wirksam schützt – eine Frage, die in den nächsten Jahren beantwortet werden wird.
Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht, warum die Debatte in Deutschland anders geführt wird als in Großbritannien: In UK sind Kreditkarten die dominierende Zahlungsmethode im Alltag. In Deutschland liegt der Kreditkartenanteil deutlich niedriger – nur rund 17 Prozent aller Zahlungskarten sind Kreditkarten. Ein Verbot hätte in Deutschland geringere Auswirkungen, würde aber dennoch eine signifikante Spielergruppe treffen.
Was aus meiner Sicht in der Debatte zu kurz kommt: Die Unterscheidung zwischen Kreditkarte und Debitkarte. Das Suchtrisiko bei Kreditkarten liegt in der Kreditfunktion – man wettet mit geliehenem Geld. Bei einer Debit Mastercard entfällt dieses Risiko, weil das Geld direkt vom Girokonto abgeht. Ein differenziertes Verbot, das nur echte Kreditkarten betrifft, wäre zielgenauer als ein pauschales Kartenverbot.